Gelesen: Hinterm Stall die Blumen

Hinterm Stall die Blumen

von Britta Freith, mit Fotografien von Bigi Möhrle, Verlag Eugen Ulmer

 

Landleben ist in. Die schönen Seiten sind es in jedem Fall. Und die allerschönsten Seiten von dreizehn wunderbar verschiedenen Höfen sind in diesem Buch vereint. Dafür reiste Britta Freith (und mit ihr die Fotografin Bigi Möhrle) vom ganz hohen, flachen Norden durch verschiedene Regionen Deutschlands bis in das gebirgige Österreich und die gebirgige Schweiz. Und besuchte dort Landfrauen und ihre Gärten, die ebenso nützlich wie schön sind und als Quelle für viele Inspirationen und auch spirituelle Momente dienen.

 

Das Buch hat ein schönes, großes Format, um die wunderbaren Fotos auch richtig zur Geltung zu bringen, und eignet sich mit seinen 185 Seiten zum gemütlichen Schmökern, bei dem immer wieder neue Aspekte entdeckt werden können. Dazu gibt es neben den Geschichten der Landfrauen (natürlich) Rezepte und anderes (zum Beispiel Anleitungen zur Herstellung von Heilsalben), originelle Gartentipps (von der Behandlung von Pflanzen mit Schüssler Salzen bis zur Erdmiete als Lagerstatt), an die Region angepasst, und Lebensweisheiten und Erfahrungen der Bäuerinnen (mein Favorit: „Wir leben, so lange wir umgestalten können.“).

 

Nicht nur die Gärten sind unglaublich vielfältig und unglaublich schön – auch die Häuser der Höfe, die in der Regel auf viele Jahrhunderte und eine lange Tradition zurückblicken und ebenfalls viel über das jeweilige Klima verraten, sind es. Neben aller Landidylle klingt aber auch durch, wie anspruchsvoll und anstrengend das Leben als Landfrau ist, denn meist leben die Bäuerinnen nicht vom Hof allein, sondern haben Feriengäste, führen Kindergruppen über den Bauernhof – und betätigen sich „nebenbei“ noch im eigenen Garten, mit teils sehr künstlerischen und erfinderischen Ambitionen. Knappe Kommentare wie „Was nichts wird, fliegt raus“ fassen die Notwendigkeiten des Lebens auf einem Bauernhof treffend zusammen.

 

Wer noch gestalterische Ideen sucht, die praktisch und schön zugleich sind, wird sicher fündig. Und damit auch die Leserin oder der Leser hin und wieder gefordert werden, ist die Leistung der Kühe auf den verschieden Milchvieh haltenden Höfen nicht ganz einfach zu vergleichen, sondern bedarf mitunter eines kühlen Kopfes oder eines Taschenrechners. Was ich ein wenig vermisst habe, war eine Übersichtskarte für geografisch Unkundige (wie mich), um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wo die Höfe liegen. Dafür hat Britta Freith aber einen sehr schönen Trailer mit Karte gestaltet, den es hier zu sehen gibt.

 

Alles in allem macht das Buch beim Lesen sehr viel Freude und eignet sich auch wunderbar als Geschenk – zum Schmökern, Ideen sammeln, Bewundern der Energie der Protagonistinnen und auch mal zum Innehalten bei drei guten Tassen Ostfriesischen Tees.

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