Gelesen: Eat to Live

Eat to Live: The Amazing Nutrient-Rich Programm for Fast and Sustained Weight Loss

(englische Taschenbuchausgabe)

von Joel Fuhrman

 

EAT TO LIVE ist insbesondere für Menschen geschrieben, die aus gesundheitlichen Gründen abnehmen wollen bzw. abnehmen müssen, eignet sich aber genauso für alle Nicht-Übergewichtigen, die sich gerne mit verschiedenen Ernährungstheorien aus wissenschaftlicher Sicht befassen. Der Autor, Joel Fuhrman, ist praktizierender Allgemeinmediziner (und ehemaliger Leistungssportler), der in seiner Praxis viele stark übergewichtige und entsprechend kranke Patienten hat. Im Laufe seiner Erfahrung mit diesen Patienten hat er einen 6-Wochen-Plan entwickelt, der als Start in eine radikale Ernährungsumstellung dienen soll. Kurz zusammengefasst besagt der Plan, dass Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte täglich in rauen Mengen verzehrt werden dürfen bzw. sollen. Tabu sind Zucker, raffiniertes Getreide (Weißbrot, Nudeln), Kaffee oder andere Genussmittel, Milch- und Fleischprodukte.

 

Zu Anfang jeden Kapitels erzählt einer seiner Patienten von ihrem oder seinem beinahe unglaublichen Erfolg, wodurch aus extrem übergewichtigen Rollstuhlfahrern wieder gesunde Menschen wurden. Danach geht es in den Kapiteln um verschiedene Aspekte der Ernährungslehre, wie zum Beispiel um die Bedeutung der sekundären Pflanzenstoffe und die Gefahren, die ein hoher Milchkonsum und der Verzehr von viel Fett mit sich bringen, alles unterlegt mit Zitaten aus zahlreichen wissenschaftlichen Studien. Im Anschluss an die Theorie folgt eine Anleitung zur Ernährungsumstellung in Form des 6-Wochen-Plans mit Menüvorschlägen für die ersten sechs Wochen. Im umfangreichen Rezeptteil finden sich eine Menge oft einfacher und in der Regel veganer Rezepte von der schlichten Gemüsesuppe über die Auberginenlasagne bis zur veganen Eiscreme.

 

Meine Kritikpunkte:

 

Dr. Fuhrman zitiert viele Studien, die belegen, dass eine überwiegend vegane Ernährungsweise die gesündeste ist. Die Studien, die er zitiert, sind umfangreich und fundiert, allerdings stammen viele seiner Beweise aus der China-Study von Campbell, wobei ich gewisse genetische Anpassungen bei Europäern zum Beispiel an den Milchkonsum voraussetzen würde und die Ergebnisse daher nicht als eins zu eins übertragbar ansehe.

 

Einen seltsamen Beigeschmack hat bei mir der Besuch der Homepage von Dr. Fuhrman hinterlassen, auf die er im Buch des Öfteren verweist und wo man, gegen Bezahlung, Mitglied in seinem Member Center werden kann. Auch verwendet er in vielen Rezepten seine salzfreien Gewürzmischungen, die man in seinem Online-Shop auf der Homepage bestellen kann. Diese Vermischung eines wissenschaftlichen Ansatzes mit einer kommerziellen Ausrichtung mag einfach typisch amerikanisch sein, verwundert hat sie mich dennoch. Wirklich irritiert hat mich, dass er zahlreiche Belege dafür anbringt, dass eine natürliche Ernährung uns mit allen Nährstoffen versorgt, die wir benötigen, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Dennoch hält er Vitaminpräparate (ausgesuchte Präparate) für unverzichtbar und verkauft in seinem Online-Shop eigene Zusammensetzungen mit beispielsweise Vitamin D3, Vitamin K2 und Taurin. Diesen Widerspruch in der Argumentation hat er für mich in seinem Buch nicht aufgelöst.

 

 

Mein Fazit:

 

Trotz der angeführten Kritikpunkte bietet das Buch ausreichend Stoff für Diskussionen über Ernährung und viele Anregungen, die sich durchaus in den Alltag integrieren lassen. Auch den Ansatz, die Ernährung radikal von heute auf morgen umzustellen, finde ich überzeugend, da ich ebenso wie der Autor der Meinung bin, dass nur ein radikaler Bruch mit alten Gewohnheiten zum Erfolg führen kann. Schwierig stelle ich es mir vor, diese radikale Umstellung im Kreise von Familie und Freunden aufrechtzuerhalten, sofern man diese weiterhin sehen möchte. Die Zutaten der Rezepte sind natürlich amerikanisch geprägt, insbesondere mit vielen Obst- und auch Gemüsesorten, die bei uns nicht, und vor allem nicht zu jeder Jahreszeit, erhältlich sind, aber die Rezepte können meist einfach abgewandelt werden.

Kommentare: 5 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    ella (Dienstag, 28 Oktober 2014 09:40)

    Habe mir das buch gekauft und beschlossen einen versuch zu starten. Das mit den nahrungsergaenzungen ist mir auch aufgefallen und mit den fuhrmann produkten. Ich moechte die 6 wochen testen und dann sehen wir weiter. Schwierig find ich den verzicht auf salz. Soziale kontakte koennen dann nur noch bei einer tasse tee gepflegt werden, denn kaffee und alkohol ist ja nicht wirklich vorgesehen. Essen im restaurant kann man vergessen, denn ueberall ist fett und salz drinn, auch in veganen gerichten.
    Mal sehen wie es mir geht, wie lang ich durchhalte, oder ob ich meiner heissgeliebten schokolade fuer immer den ruecken zeige.
    Mfg
    Ella

  • #2

    Sonja Vilei (Dienstag, 28 Oktober 2014 10:40)

    Die Fuhrman-Produkte sind zum Teil beim Narayana-Verlag erhältlich, wobei diese sich sicher durch andere Kräuter- bzw. Gewürzmischungen ersetzen lassen. Bei Schokolade gibt es ja die Hardcore-Varianten mit 95 % Kakao-Anteil, die sind ja nahe am Ideal dran. Und bei Kaffee gibt es die Muckefuck-Varianten der verschiedenen Malz- und Getreidekaffees. Aber als VeganerIn isst man allgemein besser nicht auswärts, und mit der Vorgabe, ohne Salz zu essen, geht wirklich nichts mehr.

    Ich gestehe auch, dass ich mir nur Anregungen aus dem Buch gesucht habe und gern einmal einen radikaleren Ansatz lese, da er Stoff zum Nachdenken gibt, aber ich habe noch nicht einmal den Versuch der sechs Wochen unternehmen. Ihre Erlebnisse würden mich daher wirklich interessieren.

  • #3

    Angela (Mittwoch, 12 November 2014 15:19)

    Ich habe mir das Buch auch vor ein paar Tagen zugelegt und hatte zuvor das Buch "Diabetes einfach wegessen" von ihm gelesen. In dem Diabetes-Buch spricht er nicht von seinen Nahrungsergänzungsmitteln, nur in den Rezepten wird dieser Kräuterzusatz Vegizest mal erwähnt. Ich möchte mit diesm "Eat to live"-Buch wirklich auch meine beginnende Diabetes II bekämpfen und diese Ernährungsumstellung in Begleitung mit meinem Hausarzt (der die Zuckerwerte überprüft) durchziehen. Ich bin gespannt, ob es seine Versprechungen hält.

  • #4

    Michael (Dienstag, 19 Mai 2015 06:34)

    Interessant Beiträge - noch interessanter wäre allerdings zu erfahren, wie die Versuche von ella, Sonja Vilei und Angela verlaufen sind. Fuhrman bringt in seinen Büchern generell zahlreiche Fallbeispiele, für mich ist die Frage, wie repräsentativ diese sind und ob kleine Abweichungen bereits den Erfolg gefährden oder tolerabel sind.

  • #5

    Moni (Sonntag, 31 Juli 2016 17:23)

    Mich würden diese Erfahrungen auch interessieren. Deshalb fange ich mal an von meinen zu berichten. Ich habe das Buch "Eat to live" gelesen und esse nun seit ca 6 Wochen " nutritarisch". Es ist wirklich erstaunlich, dass die Vorhersagen aus dem Buch bei mir voll und ganz zugetroffen haben. Ich habe bisher 8 Kilo abgenommen und fühle mich fitter denn je. Es war für mich nicht sehr schwer diese Ernährungsweise im Alltag umzusetzen. Ich bin sehr wohl ab und zu essen gegangen, weil das für mich zu einer guten Lebensqualität dazugehört. Im Restaurant. habe ich bevorzugt vegane Gerichte oder Salat mit separatem Dressing bestellt. Und ich habe auch hin und wieder ein Gläschen Wein oder Bier getrunken :) Besonders erstaunlich war für mich, dass ich keinerlei Heißhunger mehr auf Schokolade und andere Süßigkeiten hatte. Das leckere Erdbeereis aus weißen Bohnen reicht mir voll und ganz, wenn ich Lust auf Süßes habe. Der einzige Nachteil, den ich sehe, ist, dass es schon etwas mehr Zeit kostet jeden Tag frischen Salat einzukaufen und zuzubereiten. War die Zeit mal knapp habe ich mich einfach auf Rohkost beschränkt. Die nehme ich übrigens vorsorglich mit, wenn ich auf Festen bin und ich nicht weiß was es dort zu essen gibt. Ich hoffe, dass ich nochmal 8 Kilo abnehme und verschont bleibe von Diabetes, Depressionen und Herzerkrankungen, wie sie in meiner Familie oft vorkommen.